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Thursday, 21 March 2013

Unangenehme Wahrheiten: Gedanken zu "Unsere Mütter, Unsere Väter"


„Der Krieg wird das Schlechteste in uns hervorbringen“ – das war die Hauptbotschaft des ZDF-Fernsehdreiteilers über das Schicksal von fünf jungen Menschen während des zweiten Weltkrieges. Es ist auch die Botschaft von Martin Schulz, dessen Rezension des Filmes heute morgen in der Frankfurter Allgemeinen stand. Ich lebe schon seit über einem Jahr in Deutschland (sehr zum Leid meiner Eltern!), und von Beginn an war ich erstaunt über die Menge an Dokumentationen über den zweiten Weltkrieg und die Nazis, die hier im Fernsehen gezeigt wird. Es ist inzwischen schon fast zu einem Spiel für Harald und mich geworden. Abends macht es den Fernseher an, und sofort sieht man Bilder vom Krieg oder von Hitler. Halb schockiert, und halb amüsiert, sage ich ihm dann: „Ich Deutschen seit ja besessen!“ Vielleicht wegen meiner Schulbildung dachte ich immer, dass diese Zeit vorbei wäre, Teil einer anderen Ära; dass die europäische Einigung schlechte Erinnerungen vertrieben hat, und dass wir weiter gegangen sind, dass dieser Teil der europäischen Geschichte dort bleiben wird wo er in gehört: in die Geschichtsbücher. Die Eurokrise hat mir das Gegenteil bewiesen. Es hat mir gezeigt wie zerbrechlich die Konstruktion eigentlich ist, die in Westeuropa seit den 50er Jahren gebaut wurde.

Szene auf "Unsere Mütter, Unsere Väter"
Unsere Mütter, Unsere Väter, ist wohl der erste deutsche Film den ich über den zweiten Weltkrieg gesehen habe. Zwar habe ich noch nicht alle drei Teile gesehen, kann ihn aber trotzdem sehr empfehlen. Ich wünschte, dass er übersetzt und in Griechenland gezeigt wird, dann mir ist etwas sehr unangenehmen widerfahren. Es begann letztes Jahr zu Ostern, als ich mir Harald nach Griechenland flog um mit meiner Familie zu feiern. Nach einem tradionellen Lammessen kam ein Nachbar zu mir, und riet mir dazu, Harald als Österreicher vorzustellen, denn man weiß ja nie... Es gibt Leute da draußen, denen es nicht gefallen könnte, dass er Deutscher ist. Harald und ich haben natürlich gelacht, und fanden das alles lächerlich. Aber jetzt, wo ich darüber nachdenke, war es gar nicht so lächerlich. Die griechischen Medien haben die Bevölkerung mit der Idee bombardiert, dass der Merkel-Schäuble-Block den Süden vernichten will. Es hat nicht lange gedauert, bis erste Vergleiche der Situation in Griechenland mit dem zweiten Weltkrieg laut wurden. Das macht Harald natürlich sauer. Ganz Europa hat durch diesen Krieg Millionen Menschenleben verloren, Deutschland 10% seiner Bevölkerung, Griechenland 4.5%, Polen gar fast 20%. Hier an Deutschland sind die Spuren den Krieges in jeder Straße nach wie vor zu sehen.

Schulz erinnert daran, welches Geschenk Deutschland nach dem Krieg gemacht wurde, dann ganz Europa erlaubte dem Land einen Platz in der Völkergemeinschaft, dass der Schumanplan und nicht Versailles Europa Frieden bringen sollte, welcher auf Vergebung statt auf Rache setzte. So steht es ist der Erzählung der europäischen Einigung, einer Erzählung der Vergebung. Mit dieser Erzählung im Hinterkopf ist es reichlich schwierig die momentane Situation zu verstehen. Die europäischen Bürokraten sind nicht dafür ausgerüstet, das was im Süden passiert zu verstehen, oder darauf zu reagieren. Die Wahrheit ist das der ursprüngliche Monnetplan für Deutschland Versailles sehr ähnlich war. Der Schumanplan kam nur durch amerikanischen Druck zu Stande. Die Wahrheit ist, dass Deutschland sehr wohl bestraft wurde, denn es wurde durch die Mächte dieser Welt geteilt. Die 50 Jahre Sozialismus sind dazu verdammt als ein dunkles Zeitalter in die Geschichtsbücher einzugehen, und die Ostdeutschen von heute müssen sich der Geschichtsschreibung des Westens anpassen.

Oft habe ich die Weimarer Republik mit dem heutigen Griechenland verglichen. Ein wirtschaftlicher Niedergang kann das Schlimmste in uns hervorbringen, genau wir Unsicherheit über die Zukunft. Hoffnungslosigkeit bringt in Gesellschaften des Schlechteste zu Tage. Sowohl die Weimarer Republik als auch Griechenland sind Opfer unseres Wirtschaftssystems, einem System, in dem Profit und Geld mehr Wert haben als Menschen; einem System, wo Krieg sich positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirkt, während das Gesundheits- und Bildungswesen nur Kostenpunkte darstellen; einem System, in dem Leben ein Geldwert zugeteilt wird (menschliches und tierisches); einem System, dass die Menschen in Zypern dazu getrieben hat, das Geld der 1% zu verteidigen, die sich einen Dreck um Armut scheren. Ich war schockiert als ich Bilder von Menschen sah, die ihre Banken, und damit das Geld der Reichen, versucht haben zu verteidigen (denn wenn man mehr als €100.000 besitzt, ist man reich). Ich habe gehört, dass die zypriotische Regierung vorgeschlagen hat, die Steuern zu erhöhen, und die Renten und Einkommen zu senken, anstatt die Einlagen anzutasten. Wir alle sind Opfer dieses Wirtschaftssystems. Leider schieben wir die Schuld lieber auf leichtere Ziele.

Nun aber zurück zum Film und zu den Kommentaren von Martin Schulz, bei denen ich mir ebenfalls wünschen würde, dass die auf griechisch übersetzt werden. Ich wünschte, dass die deutsche und die griechische Öffentlichkeit öfter und besser miteinander in Kontakt treten würden. In Wirklichkeit hat Deutschland nämlich die seine Vergangenheit vergessen, während andere europäische Länder ihre faschistische und nationalistische Vergangenheit unter den Tisch gekehrt haben. Die Griechen sollten an die Gefahren des Nationalismus erinnert werden, und die Deutschen sollten daran erinnert werden, dass das westdeutsche Modell im Osten nicht ganz aufgegangen ist. „Die schauen auf den Reichtum der Westdeutschen herab; Westdeutsche sehen Ostdeutsche als faule Opportunisten die für nichts etwas haben wollen. Ostdeutsche finden Wessis arrogant und aufdringlich, und Westdeutsche finden Ossis faul und nichtsnutzig“ (Barnstone, The Transparent State). Erinnert euch das an irgendetwas? Ironisch, oder?

Alexandra Athanasopoulou

Inconvenient Truths: Lessons from Europe's Past


War brings out the worst in people. That was the message of the new trilogy produced by ZDF about WW2. That is also the message, that Martin Schulz, the current president of the European Parliament wrote in his analysis of the movie today in the Frankfurter Allgemeine. I have been living in Germany for more than a year now, at the great despair of my parents, and I was astonished from the very start by the amount of documentaries about WW2 and all the aspect of the Nazi regime are shown on TV here. It has become a game between Harald and me. Every night he turns on the TV on a channel that shows a documentary about Germany between 1933 and 1945, and I tell him half-shocked, half-amused, “You Germans are so obsessed!” I have always thought, maybe because of my education, that this time was over, part of another era. That the European integration process had waved away bad memories, and that as we move on, this part of Europe’s dark past will forever stay where it belongs: in the history books. The euro crisis proved me wrong; it proved that everything that has been done in western Europe since the end of the Second World War was a very fragile construction.

Five friends' naivity before the war experience
Unsere Mütter, Unsere Väter, is probably the first German movie that I saw about WW2. I haven’t seen all three parts yet, but I am definitely recommending it. I wish they could translate it and show it in Greece, because I have experienced something that I profoundly dislike. It started last Easter when Harald and I went to Greece to spend it with my family. After the traditional lamb a neighbor came over and said to me, that we should say that Harald is Austrian because you never know. There are people out there who might not like the fact that he is German. Harald and I laughed of course at the ridiculousness of the comment. But now that I think about it, it is not that ridiculous. Greek media have bombarded Greek public opinion about how the Merkel-Schäuble block wants to destroy the south. Naturally, it was not long until the first pictures of Merkel portrayed as Hitler were published. It was not long until people started talking about comparing the current situation to WW2. This of course pisses off Harald. Germany lost 10% of its population during the war, Greece 4,5%. and the traces of the war are still visible today in Germany in nearly every street.

Schulz reminds Germans of the great gift that the rest of Europe gave to Germany, allowing it to come back to the table of nations, that the Schuman Plan came as an alternative to Versailles, that it was forgiving and not vengeful. This is the existing narrative of European integration; the narrative of forgiveness. Having this narrative in mind it becomes quite difficult to understand the current situation. European bureaucrats are ill equipped to respond or to understand what is happening in the south. The reality is that France’s initial plan for Germany (as drafted by Monnet) was a very Versailles-style treaty. It was only after American pressure that the Schuman Plan was created. The reality is also that for long Germany was punished, divided by the great powers of this world. The fifty years of socialism are condemned to stay in history books as a dark period, and East Germans today are expected to adopt the history of West Germany.

I have many times compared the Weimar Republic to the current situation in Greece. Economic despair can bring out the worst in people; so can uncertainty about the future. Hopelessness brings out the worst of societies. Both the Weimar Republic and today’s Greece are the victims of our economic system. A system that puts profit and money above people; a system that counts wars as positive and health and education as negative in our GDP; a system that puts a monetary value on life (human and animal); a system that made the majority of people in Cyprus defend the money of the top 1% who have never given a crap about the poor. I was shocked when I saw Cypriot citizens defend their banks and rich people’s money (because when you have above than 100,000 euros in the bank you are rich). I heard that the Cypriot government, in an attempt not to touch the bank’s deposits, suggested tax increased and wage and pensions cuts. We are all the victims of our economic system. Unfortunately we prefer to blame easier targets.
Coming back to the movie and Schulz’s comments, I wish that they could be translated in Greek. I wish both Greek and German public spheres would interact more and better. In reality Germany was never allowed to forget about its Nazi past, but all other European countries were allowed to forget about their inconvenient fascist or nationalist pasts. Greeks should be reminded of dangers of all extreme nationalism and Germans should be reminded of the failure of the West German model in East Germany. “East Germans resent the wealth possessed by West Germans; West Germans see the East Germans as lazy opportunists who want something for nothing. East Germans find Wessis arrogant and pushy, West Germans think Ossis are lazy and good-for-nothing” (The Transparent State: Architecture in Politics in Postwar Germany, by D. Barnstone). Reminds you of anything? It’s ironic isn’t it?

Alexandra Athanasopoulou