Sunday, 15 July 2012

2012: EUdyssee im Weltraum – Wie die EU des europäische Weltraumprogramm gekapert hat


Die Zukunft der Menschheit liegt im Weltraum. Welche bessere Möglichkeit gibt es, das Überleben der Menschheit auf lange Sicht zu sichern, als die Besiedlung des Mars? Wenige Dinge haben es vermocht, Menschen so sehr zu inspirieren, wie Juri Gagarins erster Orbitalflug um die Erde, oder Neill Armstrongs erste Schritte auf dem Mond. Kein Staat erhebt bis heute Besitzansprüche im All – es bleibt heiliges Terrain, wo keine Waffen stationiert werden dürfen, und wo nur friedliche Aktivitäten stattfinden sollen. Die Erforschung des Weltraums ist eines der höchsten Ziele der Menschheit, und die menschliche Besiedlung einer anderen Welt bleibt eine unserer gewaltigsten Visionen.

Im Zeitalter des Kapitals, ist dieses erfurchterweckende Unternehmen dem finanziellen Größenwahn des Kapitalismus zum Opfer gefallen, und auch die EU hat dabei eine Rolle gespielt.

Die Weltraumpolitik war einer der ersten Bereiche, von dem zumindest Westeuropa von Anfang an übereinstimmend der Überzeugung war, dass er nur gemeinsam erfolgreich betrieben werden kann. Besonders nach dem zweiten Weltkrieg, war kein europäischer Staat stark genug, allein ein Raumfahrtprogramm aufbauen zu können, und nach einem erwas holprigen Start, wurde 1975 die Europäische Raumfahrtagentur ESA gegründet. Die Konvention der ESA stellt eindeutig klar, dass der Weltraum „nur zu friedlichen Zwecken“ genutzt werden darf, was bis Ende der 1990er Jahre mehr oder weniger auch der Fall war. Giotto war die erste erfolgreiche Mission zu einem Kometen, Huygens landete zuerst auf dem Saturnmond Titan, europäische Sonden befinden sich im Moment in Umlaufbahnen um Venus und Mars, und Rosetta wird hoffentlich bald das erste von menschenhand gebaute Objekt sein, dass auf einem Kometen landet.

In den letzten Jahren allerdings, und besonders seit die EU begonnen hat sich in die europäische Raumfahrtpolitik einzumischen, wurden wiederholt Projekte in den Mittelpunkt gerückt, deren Ziel nicht die Erforschung des Weltraums ist. Es war die europäische Kommission die den Bau eines eigenen europäischen Satellitennavigationssystems vorangetrieben hat; es heißt nun Galileo, und kostet €4 Milliarden. GMES (zu deutsch: Globale Überwachung für Umwelt und Sicherheit), das zweite Aushängeschild der EU im Weltraum, kostet ungefähr €2.7 Milliarden, und wird Europa mit einer unabhängigen Erdüberwachungskapazität ausrüsten. Beide Projekte werden von der EU finanziert, aber von der ESA umgesetzt, und beide Projekte sind auch militärisch nutzbar: Galileos Hochpräzisionssignal wird hauptsächlich von militärischen Kunden angefordert, und GMESs Erdbeobachtungskapazität kann auch zu Spionagezwecken verwendet werden. Die ESA hat sich von ihrem ausschließlich friedlichen Mandet verabschiedet, und arbeitet nun aktiv an sogenannten „Projekten mit doppeltem Verwendungszweck,“ die sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sind. Gleichzeitig verlieren ESAs ambitionierte Forschungsprojekte an Bedeutung; das Ziel des Auroraprogramms, bis 2030 Europäer zum Mars zu schicken, ist in weite Ferne gerückt. Selbst im All, mussten unsere menschlichsten Eigenschaften – nämlich die Neugier und der Forscherdrang – einem Warenfetisch weichen.


Auch unser Raumfahrtprogramm muss Wachstum und Profit generieren (das ist natürlich die offizielle Rechtfertigung für Galileo und GMES ist), was widerrum unterstreicht, dass das kapitalistische System technologischen Fortschritt unterdrückt. Um Kosmonauten zu internationalen Raumstation ISS zu bringen, verwenden wir das russische Sojus-System, das bereits in den 60er Jahren entwickelt wurde! Technologische Entwicklungen werden dem Profit zuliebe mit Absicht zurückgehalten, weswegen mit Wasserstoff betriebene Autos immernoch in die Schublade ‚Science-Fiction‘ gehören, und weswegen unser Raumfahrtprogramm sich technologisch seit den 70ern kaum entwickelt hat. Im anscheinend kollektiven Bewusstsein neoliberaler Wirtschaftswissenschaftler, ist es rational Technologien nur soweit zu entwickeln, dass man gegenüber seiner Konkurrenz einen geringen Vorteil besitzt. Wir sollten im Weltraum sein, und wir sollten alle Elektroautos fahren, aber die neoklassischen ökonomischen Prinzipien an denen wir religiös festhalten verhindern wirkliche technologische Fortschritte, die so sehr gebraucht werden um eine nachhaltige Zukunft der Menschen auf der Erde zu sichern.

Ich weiß, dass viele von euch jetzt denken werden, „Naja, wieso sollten wir eigentlich überhaupt Geld ins All schmeißen, wenn Menschen verhungern!“ Menschliches Leid auf der Erde hat sowohl alles als auch nichts mit Geld zu tun. Wasser und Weizen sind Waren wie alle anderen, und während Börsenhändler in Europa und Nordamerika die Sektkorken knallen lassen wenn die Lebensmittelpreise steigen, muss der Großteil der Menschheit den Preis dafür zahlen. Geld ist kein Nahrungsmittel, und Geld allein baut keine Schulen und Krankenhäuser – Menschen machen das. Wenn Entwicklungshilfe heißt armen Menschen Geld zu geben, damit sie dann unsere Produkte kaufen können, ist es an der Zeit seine Entwicklungspolitik zu überdenken, aber diesem Thema muss man sich separat widmen.

Was fest steht, ist dass wir es nicht hinnehmen können, dass der Kapitalismus unsere heiligsten Träume und Ambitionen neben seinen anderen Opfern begräbt. Europa muss seine Weltraumpolitik in Richtung Forschung umorientieren, sowohl um die Menschlichkeit in die Politik zurückzubringen, als auch um die Zukunft der Menschen auf lange Sicht zu sichern.

Harald Köpping

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