Monday, 9 July 2012

Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher... - Immigration in Europa




Wenn man durch die Nachrichtensender schaltet, und Europas große Tageszeitungen liest, muss man manchmal darüber schmunzeln, dass die europäische Integration im Moment eigentlich nur durch den irrationalen Glauben an den Wert des Kapitals ins Stocken geriet. Die unfassbar großen Zahlen, mit denen man täglich konfrontiert wird, bedeuten für uns reichlich wenig, und oft existieren diese Geldmengen in der realen Welt ohnehin nicht. ‚Finanzprodukte‘ haben nur Wert, weil wir ihnen Wert gegeben haben – im Grunde sind sie nutzlos, und würde uns kaum schlechter gehen wenn wir uns entscheiden würden, sie einfach abzuschaffen.
           
Wir sollten uns nicht von Schulden, Geld und Finanzprodukten von den real existierenden Problemen ablenken lassen, mit denen Europa sich weiterhin quält, und es ist meine Überzeugung, dass das wichtigste dieser Probleme die furchtbare Situation der Flüchtlinge ist, die sich unfreiwillig an den Außengrenzen der Europäischen Union angesammelt haben. Jedes Jahr sterben Tausende bei dem Versuch das europäische Festland zu erreichen; Menschen die einst voller Hoffung auf ein besseres Leben in Europa waren. Hunderte sogenannter ‚illegaler Einwanderer‘ überqueren jeden Tag die türkisch-griechische Grenze der EU, also über 100.000 jedes Jahr. Diese Zahlen allerdings bedeuten wenig, wenn man nicht versteht, dass hinter jeder Einzelnen ein Mensch steht, der sich entschlossen hat zu Hause alles aufzugeben, allen Besitz zu verkaufen, alles Geld in die Hände von Schmugglern zu geben, und Jahre auf der Reise ins gelobte Land Europa zu verbringen. Wenn man Europa von Somalia aus erreicht, liegen hinter einem nicht nur tausende Kilometer Wüste, sondern auch Todesängste vor dem Verdursten in der Wüste, oder dem Ertrinken im Meer, das mit einem kleinen, überfüllten Fischerboot überquert wurde. Wenn man aus Afghanistan kommt, und Europa über die Türkei erreicht, erwartet einen in Griechenland die sichere Obdachlosigkeit, und die Unmöglichkeit einen erfolreichen Asylantrag zu stellen.

Zahllose Tote und zehntausende zerstörte Hoffnungen auf ein neues Leben sind der Preis, den Europa gewillt ist zu zahlen, um Flüchtlinge daran zu hindern Europa jemals zu erreichen. Die Genfer Flüchtlingskonvention, die die meißten Länder in den 50er Jahren unterzeichnet haben, sichert jedem das Recht auf politisches Asyl, der in seinem Heimatland aus politischen oder religiösen Gründen verfolgt wird. Soweit so gut, nur baut Europa immer höhere Mauern, die Flüchtlinge daran hindern sollen, den Kontinent überhaupt erst zu erreichen. Die spanischen Exklaven Ceuta and Melilla (beide sind von marokkanischem Staatsgebiet umgeben), sind mit drei Meter hohen Mauern und Stacheldrahtzäunen befestigt. Im Moment werden Pläne umgesetzt, die mit der griechisch-türkischen Grenze Ähnliches vorhaben. Jeder weiß, dass dies unweigerlich zu noch mehr Toten führen wird, doch anscheinend verleugnen Europas Staatschefs in schon fast psychopatisch anmutender Manier jegliches Moralbewusstsein. Die EM in der Ukraine wird boykottiert, während an den EU-Grenzen Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Die hundert Mauertoten werden mit Staatsakt geehrt, während jedes Jahr Tausende im Mittelmeer ertrinken. Die ‚weiche Macht‘ Europa hat inzwischen jegliche Glaubwürdigkeit verloren, da auch bei ihr den Menschenrechten keinerlei Beachtung geschenkt wird.

Was Europa braucht ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel was seine eigenen Vorstellungen von Migration anbelangt. Grenzen wurden zufällig gezogen um Landbesitz zu kennzeichnen – Land, in diesem wir dann als Nation kollektiv über Soveränität verfügen. Danach sagen wir allen die aus armen Ländern kommen, sich doch von diesem Land fernzuhalten. Wenn man aus einem reichen Land kommt, ist die Einreise natürlich kein Problem. Ist diese Absurdität und Ungerechtigkeit nicht offensichtlich? Wenn selbst Schüler, die Orwells Farm der Tiere lesen, verstehen können, dass der Slogan ‚alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher‘ vollkommen irrwitzig ist, warum geht dann kein Aufschrei durch Europa gegen eine Ungerechtigkeit, die vor unserer Türschwelle passiert? Ich bin mir bewusst, dass ein Ruf nach offenen Grenzen auf wenig Zuspruch stoßen wird – die Menschen sind zu sehr an konstruierte Ideen wie Nationalstaaten gewöhnt. Länder und Grenzen sind von Menschen geschaffen, und der Glaube an sie ist das Einzige, was sie aufrecht erhält. Die Erde gehört uns allen, und es widerspricht sowohl dem Gewissen als auch dem gesunden Menschenverstand zu sagen, dass Manche einfach nicht qualifiziert sind, bestimmte Gebiete zu betreten.

Meine Vision eines europäischen Asylsystems das gerecht und praktizierbar ist, werde ich im nächsten Post erläutern.

Harald Köpping

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